Lamu

Auf dem Archipel Lamu im Norden Kenias gibt es jenseits des Postkarten-Idylls viele Schatten­seiten, die zu einem erheblichen Teil auf das Jahr 2011 zurückzuführen sind.

Damals geriet die Insel, die sich gerade vom Geheimtipp der Backpacker zum touristischen Hotspot des internationalen Jet-Sets entwickelte, in die Schlagzeilen.
Kurz nacheinander ereigneten sich zwei Entführungsfälle durch somalische Piraten und Banditen, die tödlich endeten. Seitdem stuft u. a. das Deutsche Auswärtige Amt die Region als „unsicher“ ein. Die Folge: Touristen blieben aus, viele der 30.000 Einwohner verloren ihre Erwerbsgrundlage und sind nun von noch größerer Armut betroffen.
Mit am härtesten trifft die Not auf Lamu die Kinder. Obwohl in Kenia eine Schulpflicht besteht und der Besuch einer öffentlichen Schule nur ca. 20 Euro pro Jahr kostet, bleiben die Jungen und Mädchen dem Unterricht fern. Die Eltern können sich das Schulgeld einfach nicht leisten.

Die Situation wäre für viele Familien bis heute sicherlich ausweglos. Karin Howell, die Pädagogin, die in der Schweiz bereits das Projekt Kids in Motion gegründet hatte, machte aus ihrer Urlaubsreise eine Mission. Sie war schockiert über das schlechte Bildungsniveau auf der Insel und beschloss etwas dagegen zu unternehmen. Zunächst gründete Karin Howell mit ihren Mitstreitern einen ersten Kindergarten auf Lamu, 2014 folgte der zweite. 2015 wurde von ihrer Freundin Susanne Preiss der deutsche Verein Alamaawiya e.V. gegründet, der die Primary School finanziert, und in der inzwischen 239 Kinder (Tendenz steigend) von der 1. bis zur 8. Klasse unterrichtet werden.

Children first

Bildung ist Grundvoraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben.

So ist „Quality Education“ eines der Ziele, die die UN in ihren Sustainable Development Goals formuliert hat. Die inter­nationale Staatengemeinschaft will bis 2030 eine gleichberech­tigte und hochwertige Bildung für alle Menschen sicherstellen.
Unser Ziel: Den ärmsten Kindern hier eine Perspektive geben.

School Life

Bei aller Armut und den widrigen Umständen sind die Kinder in der Schule fröhlich. Sie lieben es zu lernen, zu spielen und gemeinsam Sport zu treiben. Und Lehrerinnen und Lehrer sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen mit großem Eifer und Engagement an die Sache.

In Zukunft gibt es weitere, große Herausforderungen: Die Schule, die sich in einem historischen Gebäude im Ortszentrum befindet, platzte aus allen Nähten. Um dem wachsenden Interesse am Schulbesuch gerecht zu werden, wurde ein Grundstück erworben. Auf zwei Hektar entsteht seit 2019 ein neues, für die Region wegweisendes Schulgebäude. Hier wird sich all das realisieren lassen, was in Lamu Town längst an seine Grenzen stieß: Platz für mehr Klassen und Schüler, ein Sportplatz, Räume für naturwissenschaftlichen Unterricht und Möglichkeiten für landwirtschaftliche Projekte. Im August 2021 wurde der Neubau bezogen.

People

Die Schule steht unter der Leitung der Almaawiya Development Group, deren Vorstand von Karin Howell geführt wird.

Unterstützt wird sie dabei von Susanne Preiss aus Deutschland und den Kenianern Mohammed Ali, Fuzz Dryer sowie Fatma Salim. Komplettiert wird das Gremium durch den Italiener Francesco Minauro und Maria Parger. Maria arbeitet für die spanische Non-Governmental-Development-Organization Anidan, die auf Lamu ein Waisenhaus sowie ein Hospital betreibt und das Ehepaar Howell von Anfang an unterstützte. Genau dieses Netzwerk ist die Grundlage für den Erfolg der Schule und damit für den Erfolg der Kinder. Das zu Anidan gehörende Krankenhaus sorgt für die medizinische Versorgung der Kinder und dass sie frei von Parasiten lernen können. Die Kenianer vor Ort helfen uns im Umgang mit den Behörden oder den korrekten Einsatz der finanziellen Mittel vor Ort.

Das Konzept des Projekts besteht darin, Kinder von innen heraus zu stärken, mit all ihren Talenten, Fähigkeiten und Möglichkeiten. Almaawiya setzt im Kindergartenalter an, begleitet die Jungen und Mädchen dann durch die acht Klassen der Primary School, um ihnen anschließend weitere Perspektiven zu eröffnen. Bereits jetzt denkt der Vorstand über eine Secondary School nach, deren Abschluss den Schüler erlauben würde, ein Studium in Mombasa, Nairobi oder im Ausland aufzunehmen. Ebenso wird die Gründung einer Berufsschule angestrebt. Man kann Almaawiya durchaus als Blaupause für vieles sehen, was noch passieren wird. In die Zukunft soll es – natürlich auch auf dem Festland – noch viele derartige Inseln geben. Geschützte Orte, an denen Kinder und Jugendliche unberührt von äußeren Gegebenheiten aufwachsen, sich entwickeln und lernen können.